Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
BIP-Zahlen im 2. Quartal 2020: 10.09.2020

Wirtschaft erholt sich zügiger als erwartet

Die Expertengruppe des Bundes liefert anlässlich der neusten BIP-Zahlen im 2. Quartal eine Zwischeneinschätzung: Nach Ende des Lockdowns hat sich die Wirtschaft zügiger erholt als in der Prognose vom Juni erwartet. Das Wachstum für 2020 könnte daher weniger negativ ausfallen als prognostiziert.

Im 2. Quartal 2020 ging das BIP um –8,2 % zurück, nach –2,5 % im 1. Quartal. Dies ist der stärkste Einbruch der Wirtschaftsleistung seit Jahrzehnten. Dennoch ist die Schweiz im internationalen Vergleich bislang relativ «glimpflich» durch die Krise gekommen.

 

Erholung setzte Ende April ein

Mit der vergleichsweise frühen Lockerung der gesundheitspolitischen Massnahmen konnte sich die Wirtschaft bereits ab Ende April spürbar erholen. Die verfügbaren Indikatoren deuten darauf hin, dass die Erholung bislang etwas zügiger ausgefallen ist als in der Prognose von Juni unterstellt, wenn auch die Vorkrisenniveaus vielfach noch nicht wieder erreicht worden sind. Dies ist beispielsweise beim Aussenhandel mit Waren der Fall, der ab Mai deutlich angestiegen ist. Auch deuten die Zahlen zu den Detailhandelsumsätzen und zu den Kartenzahlungen darauf hin, dass sich der private Konsum seit der Wiederöffnung der Geschäfte schneller erholt hat als im Juni prognostiziert und damit im Jahresdurchschnitt weniger negativ betroffen sein könnte. Zudem kam es am Arbeitsmarkt im bisherigen Jahresverlauf zu einer geringeren Ausschöpfung der Kurzarbeit als erwartet; seit Ende des Lockdowns hat sich die Zunahme der Arbeitslosigkeit stabilisiert, und die saisonbereinigte Arbeitslosenquote steigt nur noch leicht an.

 

Näher beim Positivszenario

Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, dürfte das BIP 2020 weniger stark zurückgehen als im Juni prognostiziert (–6,2 %). Demzufolge könnte der BIP-Rückgang bei einer Grössenordnung von etwa –5 % zu liegen kommen. Dies entspräche für 2020 im Wesentlichen dem vom Seco veröffentlichten Positivszenario. Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote dürfte unter 3,5 % zu liegen kommen (Juni-Prognose: 3,8 %). Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass eine weitere massive Verbreitung des Coronavirus sowie stark einschränkende Eindämmungsmassnahmen im Inland wie bei wichtigen Handelspartnern ausbleiben.

 

Ungewisse Entwicklung

Im weiteren Verlauf dürften die Einkommensverluste, die grosse Unsicherheit sowie gewisse Schutzmassnahmen auf der wirtschaftlichen Erholung im In- und Ausland lasten. Das BIP-Wachstum im Jahr 2021 dürfte dadurch gedämpft werden (Prognose von Juni: +4,9 % sporteventbereinigt). Zudem bleiben die Risiken vorerst hoch. Eine weitere starke Verbreitung des Coronavirus in Verbindung mit neuen gesundheitspolitischen Einschränkungen der Wirtschaft würde zu einem erneuten Rückgang der Wirtschaftsleistung führen. Im Zuge erneut ansteigender Fallzahlen wurden im Ausland gewisse Massnahmen jüngst wieder verschärft (z. B. Reisebeschränkungen, vorübergehende Betriebsschliessungen). Sollte sich diese Entwicklung zuspitzen, wäre ein erneuter Rückgang der Auslandnachfrage wahrscheinlich.

 


Neue Schwerpunkte für die digitale Schweiz

In der Digitalpolitik des Bundes sollen Umwelt- und Datenaspekte künftig mehr Raum erhalten. Um dies zu ermöglichen, hat der Bundesrat am 11. September 2020 die aktualisierte Strategie "Digitale Schweiz" verabschiedet.

Die Strategie "Digitale Schweiz" gibt die Leitlinien für das staatliche Handeln in der Digitalisierung vor und ist für die Bundesverwaltung verbindlich. Sie dient auch als Orientierungsrahmen für die weiteren Anspruchsgruppen der digitalen Schweiz wie Wirtschaft, Wissenschaft oder Zivilgesellschaft. Die Weiterentwicklung der Strategie erfolgte daher im Austausch mit ihnen. Für die kommenden beiden Jahre hat der Bundesrat folgende Schwerpunkte gesetzt:

 

Umweltschutz: Die neuen Technologien ermöglichen eine Weiterentwicklung der Umweltpolitik durch den Zugang zu immer präziseren Umweltdaten. Um die Chancen der Digitalisierung für den Klima- und Umweltschutz optimal zu nutzen, wird das Bundesamt für Umwelt bis Ende 2021 aufzeigen, wie sich die Grundlagen für die Berechnung von Ökobilanzen, Energieverbrauch und Fussabdrücken im Bereich der IKT-Technologien und ‑Dienstleistungen verbessern lassen.

 

Datenräume: Gemeinsame Datenräume können einen Mehrwert schaffen, indem sie die Nutzung von Daten über ihren ursprünglichen Verwendungszweck hinaus und neue Formen der gemeinsamen Nutzung ermöglichen. Die Schweiz soll deshalb den Zugang zu vertrauenswürdigen Datenräumen für Personen, Unternehmen und den öffentlichen Sektor fördern. Zu diesem Zweck erarbeiten das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) und die Direktion für Völkerrecht im EDA zusammen mit weiteren Akteuren bis Ende 2021 einen Grundlagenbericht, der aufzeigen wird, wo für den Staat Handlungsbedarf besteht.

 

Digitale Wirtschaft: Das Staatssekretariat für Wirtschaft aktualisiert bis Ende 2022 den Bericht "Rahmenbedingungen der digitalen Wirtschaft". Dabei gilt ein besonderes Augenmerk den Themen Sharing Economy, Digital Finance, Forschung und Entwicklung, Handelsbeziehungen und Wettbewerbspolitik.

 

Digitaler Service public: Das BAKOM verfasst in Zusammenarbeit mit anderen Stellen der Bundesverwaltung bis Mitte 2022 einen Bericht über datengetriebene Entwicklungen in den regulierten Netzsektoren. Im Zentrum der Überlegungen steht die Frage, ob es neuen Regulierungsbedarf gibt und was die Rolle des Bundes bei einem allfälligen Aufbau und Betrieb von neuen, datenbasierten Infrastrukturen sein sollte.

 

Auswirkung der Covid-19-Pandemie: Digitale Anwendungen hatten einen grossen Anteil daran, dass die Schweiz auch während der COVID19-Pandiemie weitgehend weiterfunktionierte. Gleichzeitig kamen in verschiedenen Bereichen Schwachstellen bei der Digitalisierung zu Tage. Damit die Schweiz für vergleichbare zukünftige Situationen besser gerüstet ist, zeigen das BAKOM und die Bundeskanzlei (BK) bis Ende 2021 in einem Bericht Verbesserungspotenziale auf und schlagen Massnahmen für die Digitalpolitik des Bundes vor. Die Analysen aller Departemente und der BK werden in den Bericht einfliessen. 

 

Mit der Neuorganisation der Digitalisierung und der IKT-Lenkung in der Bundesverwaltung und der Ernennung von Daniel Markwalder zum Delegierten des Bundesrates für digitale Transformation und IKT-Lenkung (D-DTI), wird die Geschäftsstelle Digitale Schweiz (GDS) und deren Aufgaben im Zusammenhang mit der Strategie "Digitale Schweiz" ab dem 1. Januar 2021 in die Bundeskanzlei überführt. Die vorliegende Strategie wird von der DTI in spätestens zwei Jahren überarbeitet. Zudem wird für die Umsetzung und Weiterentwicklung der Strategie eine enge Zusammenarbeit zwischen der DTI und der neu von Bund und Kantonen gemeinsam geschaffenen Organisation "Digitale Verwaltung Schweiz" angestrebt.