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Wirtschaftsprognosen für die Schweiz vor dem Hintergrund der Corona-Krise: Ausgabe 10/2020, 25.06.2020

Die Aufholjagd ist in vollem Gange!

Die Corona-Krise hat in der Schweizer Wirtschaft tiefe Spuren hinterlassen. Nach ersten und nunmehr weiteren Lockerungen hellt sich der Himmel aber allmählich auf. Auch wenn einige Branchen weiterhin an den Folgen der Pandemie zu zehren haben werden, zeigen sich Zuversicht verheissende Lichtblicke. Eine Prognose von BAK Economics jedenfalls ist geeignet, Optimismus aufkommen zu lassen.

Autor: Alexis Bill Körber, Leiter Macro Research BAK Economics

Die Corona-Krise und der damit verbundene Lockdown haben der Schweizer Wirtschaft bereits im ersten Quartal einen kräftigen Einbruch beschert, der sich im zweiten Quartal weiter akzentuiert: BAK geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung über den Zeitraum von April und Juni im zweistelligen Prozentbereich einbricht. Damit ist der Tiefpunkt erreicht. Mit den nun deutlich gesunkenen Infektionszahlen und der Rücknahme der Lockdown-Massnahmen spricht alles für eine Erholung im zweiten Halbjahr. Für das Gesamtjahr 2020 erwartet BAK einen Rückgang des Schweizer BIP von -5,8 Prozent (bisher -5,3%).

Aufholeffekte schlagen im kommenden Jahr durch
Im kommenden Jahr soll die Schweizer Wirtschaft dagegen dank der starken Aufholeffekte um 6,0 Prozent (bisher 5,7%) wachsen, wenn eine ausgeprägte zweite Welle vermieden werden kann. BAK hat zusätzlich zur Basisprognose auch ein positives und ein negatives Alternativszenario berechnet: Im positiven Verlauf könnte der BIP-Verlust im Jahr 2020 auf -4,5 Prozent limitiert werden. Falls es dagegen Misserfolge bei der Eindämmung des Virus gibt und die Schutzmassnahmen im dritten Quartal wieder verschärft werden müssen, sind 2020 BIP-Verluste im zweistelligen Prozentbereich wahrscheinlich (-12,4%).

Seco: Rückgang des schweizer BIP  von 2,6 Prozent im ersten Quartal
Gemäss der Quartalsschätzung des Seco ist die Schweizer Wirtschaft im ersten Quartal 2020 um 2,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal gesunken. Besonders im Gastgewerbe, im Transport und im Handel waren massive Wertschöpfungsrückgänge zu verzeichnen. Auf der Verwendungsseite gingen vor allem der private Konsum und die Ausrüstungsinvestitionen stark zurück.

BAK Basisszenario: Normalisierung  im zweiten Halbjahr
Im Basisszenario – für welches BAK die höchste Eintrittswahrscheinlichkeit erwartet – kann davon ausgegangen werden, dass der Tiefpunkt der Corona-Krise im laufenden zweiten Quartal erreicht ist. Zwischen April und Juni rechnet BAK mit einem weiteren Einbruch der Wirtschaftsleistung von mehr als 10 Prozent. Einen Hinweis hierfür liefern die ersten verfügbaren Daten. Beispielsweise sind die Detailhandelsumsätze im April um rund 20 Prozent gesunken und auch bei den Güterexporten und -importen gab es im April ein zweistelliges Minus.

Kräftiges Wachstum voraussehbar
Im dritten Quartal ist dagegen mit einem Gegeneffekt und einem kräftigen Wachstum der Schweizer Wirtschaft von 7,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu rechnen. Die in den letzten Wochen schrittweise umgesetzte Lockerung der Schutzmassnahmen hat die wirtschaftliche Situation bereits wieder entspannt, insbesondere in einigen der besonders stark betroffenen Branchen. Seit dem 6. Juni sind zudem alle zuvor noch geschlossenen Betriebe wieder geöffnet, welche ein Schutzkonzept vorweisen können. Einzig bei Grossveranstaltungen und beim internationalen Tourismus bleiben auch im zweiten Halbjahr noch erhebliche Einschränkungen bestehen.
Im dritten Quartal ist vor allem beim privaten Konsum mit kräftigen Aufholeffekten zu rechnen. Im Schlussquartal und im Jahr 2021 wird sich die Erholung fortsetzen, allerdings wird die Dynamik dann zunehmend durch Einkommensverluste aufgrund der gestiegenen Kurzarbeits- und Arbeitslosenzahlen begrenzt.

Aussenhandelt wird anziehen, aber nicht so dynamisch
Im Aussenhandel wird es im zweiten Halbjahr ebenfalls zu einer Erholung kommen. Das Wachstum wird aber nicht so dynamisch wie beim Konsum ausfallen, da die verhaltene globale Konjunktur einen Hemmschuh darstellt. In vielen Ländern, wie zum Beispiel den USA, sind die Infektionszahlen noch deutlich höher, weshalb die Normalisierung im Vergleich zur Schweiz mit einer gewissen Verzögerung verlaufen wird.

Grossteil der Verluste dürften kompensiert werden
Insgesamt schrumpft die Schweizer Wirtschaft im Jahr 2020 um 5,8 Prozent. Im Jahr 2021 schlägt die Erholung stark durch und die Schweiz holt einen Grossteil des Verlusts an wirtschaftlicher Aktivität wieder auf (+6,0%). Zur Erholung tragen auch die Lizenzeinnahmen aus grossen Sportevents (Olympiade und Fussball-EM) bei, die ins Jahr 2021 verschoben wurden. Obwohl sich der Aufholprozess auch 2022 fortsetzt, liegt das BIP-Niveau Ende 2022 um 1,5 Prozent tiefer, als dies ohne die Corona-Krise zu erwarten gewesen wäre.

Infoservice
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info@bak-economics.com, www.bak-economics.com

 





Positives szenario

Schnelle Erholung
Im positiven Szenario wird unterstellt, dass es im zweiten Halbjahr zu einer schnelleren wirtschaftlichen Erholung als im Basisszenario kommt. Schnelle medizinische Fortschritte könnten ein Auslöser hierfür sein. Damit normalisiert sich die wirtschaftliche Lage rasch und abgesehen von wenigen Ausnahmebereichen herrscht ab Juli 2020 weitgehend wieder Normalität für die Wirtschaft. Die steigende Zuversicht unter den Konsumenten und Unternehmen sowie die rasche Wiederherstellung der internationalen Lieferketten fördern die Erholung. Unterstützt wird dies durch Massnahmen seitens der Politik wie expansive Fiskalpakete und koordinierte Vorgehensweisen bei Grenzöffnung und Wiederherstellung des internationalen Verkehrs. Im Vergleich zum Basisszenario kommen im positiven Szenario insbesondere von der globalen Konjunktur positivere Impulse. Insgesamt kommt es ab dem zweiten Halbjahr 2020 in diesem positiven Szenario sowohl in der Schweiz als auch auf globaler Ebene zu einer dynamischen V-förmigen Erholung. Aufgrund des massiven Einbruchs im zweiten Quartal resultiert 2020 dennoch ein Rückgang des Schweizer BIP um 4.5 Prozent. Das starke Wachstum im Jahr 2021 (+6.7%) kann jedoch einen Grossteil der Einbussen wieder wettmachen.

Negatives Szenario

Im negativen Szenario wird unterstellt, dass es im Zuge der Lockerungen zu einem Wiederanstieg der Neuinfektionen kommt. Ein Teil der Lockerungen muss daher rückgängig gemacht werden und es würden bis ins Frühjahr 2021 hinein erhebliche Einschränkungen bestehen bleiben. Sollte sich die Pandemie in Richtung dieses Szenarios bewegen, kommt es neben den Ausfällen durch die langanhaltende Blockade wirtschaftlicher Aktivitäten auch zu immer mehr Folgeschäden. Neben Konkursen, Arbeitslosigkeit und vermindertem Welthandel könnte die auf staatlicher und privater Ebene stark ansteigende Verschuldung zudem erhebliche Turbulenzen auf den globalen Finanzmärkten bewirken. In diesem negativen Szenario resultiert eine nochmals massive verschärfte Rezession mit einem BIP-Verlust von -12,4 Prozent im Jahr 2020. Noch gravierender sind jedoch die langanhaltenden Schäden: Selbst nach Beendigung des Lockdowns im Frühjahr 2021 fällt die Erholung verhalten aus, da die Risikoaversion der Unternehmen und Konsumenten noch lange auf hohem Niveau bleibt. Zudem führt die Konkurswelle zu gravierenden Einbussen beim Produktionspotenzial. Im Jahr 2021 wächst die Schweizer Wirtschaft angesichts des vorherigen Einbruchs nur minimal um 2,3 Prozent. Erst 2022 kommt es zu einer spürbaren Erholung, aber Ende 2022 liegt das BIP in der Schweizer immer noch um rund 7 Prozent tiefer, als dies ohne Corona möglich gewesen wäre.