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Umfrage bei Unternehmern und Leuten von der Front zum gegenwärtigen Ausnahmezustand: Ausgabe 06/2020, 16.04.2020

«Hoffen wir, dass in zwei Monaten, ähnlich wie in China, das Gröbste überstanden ist»

Verrückte Zeiten – während einige den Teufel an die Wand malen, scheinen andere mit Engelsflügeln über die Corona-Krise hinwegzuschweben. Polyscope befragte mehrere Unternehmer, wie sie mit dem Ausnahmezustand umgehen, und wie ihre Einschätzung für die nahe und auch etwas fernere Zukunft lautet.

Autor: Erwin Kartnaller

So ein klitzekleines Ding, von blossem Auge nicht zu erkennen und mit dem bierhaften Namen Corona wirbelt den Alltag zur Zeit mächtig auf. Wirbeln? – Wohl der falsche Ausdruck, denn es löst weitgehend Stillstände aus. Verschwörungstheoretiker feiern Hochkonjunktur. Dunkle Mächte hätten diese Krise gezielt ausgelöst, um die Weltordnung neu aufzusetzen, kriegt man etwa zu hören. Stichworte wie «schleichende Verstaatlichung der Wirtschaft», «staatliche Vollkontrolle über das Volk» und noch weitere Horroszenarien geistern herum. Es mag sich ein(e) jede(r) selber einen Reim darauf machen.
 Klar ist, dass die Auswirkungen von einer
Wucht sind, die alles übertrifft, was die Menschheit in überschaubarer Vergangenheit erfahren hat. Vergleiche mit den Zeiten der Spanischen Grippe, ja gar mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges werden herbeibemüht. Die Verunsicherung ist gross. Das zeigt sich allein an den Rückmeldung zur Blitzumfrage von Polyscope bei Unternehmern der Branche. Dieser und jener wollte sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht dazu äussern – zu ungewiss sei die Tragweite in letzter Konsequenz. Dennoch haben sich einige Vertreter von der Front zur aktuellen Situation geäussert. Fazit: Durchhaltewillen, Innovation und Optimismus sind Rezepte der Gegenwart.

Drei Fragen
1 Wie macht sich der gegenwärtige Ausnahmezustand als Folge des Corona-Virus in Ihrer Unternehmung bemerkbar?
2 Wie lautet Ihr «Patentrezept», um die Situation gesichert zu überstehen?
3 Wie ist Ihre Einschätzung mit Blick auf die (nahe) Zukunft?

Bruno Senn:
1. Der Auftragseingang ist nach wie vor noch gut. Leider mussten erste Kunden ihre Produktion für ein bis zwei Wochen schliessen. Wir hoffen, dass dies nur Ausnahmefälle bleiben. Die Herstellerwerke in Deutschland fabrizieren allerdings nach wie vor und wir erhalten weiterhin Material. Erste Schwierigkeiten zeichnen sich über die Zulieferanten aus China und Italien ab, wo die Fabrikationen ebenfalls für zwei Wochen geschlossen wurden.
2. Bei uns intern haben wir die Mitarbeiter in drei Gruppen aufgeteilt. In jene, die nur im Home Office arbeiten, und in zwei Arbeitsgruppen, die sich morgens und nachmittags
jeweils den Büro-/Lagerplatz tauschen. Zusätzlich treiben wir den Lageraufbau voran, damit, wenn alles überstanden ist, wir eine hohe und kurzfristige Verfügbarkeit gewährleisten können.
3. Wenn ein komplettes Ausgangsverbot erlassen und die Produktion in der Industrie eingestellt wird, dann sehen wir einer schwierigen Zeit entgegen. Hoffen wir, dass in zwei Monaten, ähnlich wie in China, das Gröbste überstanden ist.

Dieter Heimgartner:
1. Wir haben fast alle Mitarbeiter im Home Office; dadurch  müssen wir etwas  mehr in die Koordination der Prozesse investieren. Die Betreuung aller Mitarbeiter, Lieferanten und Dritte benötigt eine gute, erhöhte Kommunikation. 
2. Der Sicherung der Liquidität kommt eine spezielle Bedeutung zu – jetzt, da die Lieferanten in China die Produktion wieder voll hochfahren. Bei den Kunden ist eine grosse Unsicherheit in der Supply-Chain zu spüren, zum Beispiel wegen der Stilllegung von Produktionsstätten. Wichtig ist nun, wie auch sonst, eine erhöhte Kunden- und Lieferantennähe.
3. Wir stellen fest, dass Kunden aktuell etwas grössere Mengen als notwendig platzieren. Dies kann zu einer Verschärfung der Liquidität führen.

Thomas Suter:
1. Die meisten Kunden lassen ihre Mitarbeitenden seit zwei Wochen von ihrem Home Office aus arbeiten. Es gibt vereinzelt Firmen, die seit ein paar Tagen Kurzarbeit eingeführt haben oder ihr Geschäft für die nächsten Wochen schliessen. Dies hat zur Folge, dass momentan keine Kunden von unseren Verkäufern besucht werden können und weniger Bestellungen bei uns eintreffen.
2. Oberste Priorität bei Euchner hat die Gesundheit der Angestellten. Deshalb arbeiten alle Mitarbeitenden, die ihre Tätigkeit zuhause ausüben können, seit dem 9. März im Home Office. Die Mitarbeiter, die sich im Büro in Sargans aufhalten, haben ein Einzelbüro oder einen Arbeitsplatz mit einem Mindestabstand von fünf Metern.
3. Die Folgen der Corona-Krise sind schwerwiegend für die Wirtschaft. Je nach Dauer des Ausnahmezustandes wird es dementsprechende Folgen für die Weltwirtschaft und die Schweiz haben. Für die zweite Jahreshälfte erhoffen wir uns eine Erholung.

Alex Gasser:
1. Endress+Hauser ist weltweit fast vollständig im Home Office – auch hier in der Schweiz. Damit schützen wir die Mitarbeitenden in der Produktion. Kunden besuchen wir nur in dringenden Fällen, etwa für Servicearbeiten – aber wir sind jederzeit für unsere Kunden da! 2. Wir können eine solche Situation nur gemeinsam bewältigen. Dafür braucht es Vertrauen und Zusammenhalt. Als Chef bin ich deshalb viel im Gespräch mit Kunden und Mitarbeitenden. Die Gesellschafterfamilie Endress gibt uns als Unternehmen Stabilität. 3. Wir sind gut ins 2020 gestartet. Wie sich die Krise auswirken wird, lässt sich nicht abschätzen – aber sie wird sicher Spuren hinterlassen. Wir sehen aber auch, dass unsere Online-Dienste boomen. Damit können wir unsere Kunden super unterstützen!

 

 

 



Bildquelle:iStock/shutter_m


Bruno Senn, Geschäftsführer der Carl Geisser AG


Dieter Heimgartner, CEO der DMB Technics AG


Thomas Suter, Verkaufs- & Niederlassungsleiter Schweiz der Euchner AG


Alex Gasser, Geschäftsführer Endress+Hauser Schweiz