Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Lokaler Strommarkt mit Blockchain-Technologie: 10.07.2019

Neuer Energiecampus im Allgäu eingeweiht

Bilder: Siemens

Am 26. Juni 2019 wurde der neue Energiecampus in Wildpoldsried, Deutschland, eingeweiht. Im Rahmen des Forschungsprojektes «pebbles» entwickeln das Allgäuer
Überlandwerk und die AllgäuNetz zusammen mit ihrem Partner Siemens einen lokalen Strommarkt mit Blockchain-Technologie. Das Fraunhofer FIT und die Hochschule Kempten unterstützen das Projekt wissenschaftlich.
Die Forschung am Energiecampus Wildpoldsried (ECW) begann im Jahr 2011 mit dem Projekt IRENE (Integration Regenerativer Energien und Elektromobilität). Als erste energietechnische Anlagen wurden der Areal-Batteriespeicher (Speicherkapazität: 170kWh) sowie ein regelbarer Ortsnetztransformator in der Salzstrasse östlich der Bahntrasse installiert und deren netzdienlicher Einsatz erprobt.
Ab 2014 wurde der Energiecampus im Forschungsprojekt IREN2 (Zukunftsfähige Netze für die Integration regenerativer Energiesysteme) um zusätzliche Anlagen wie eine
Gleichstromkurzkupplung, ein Stromaggregat mit Pflanzenölbetrieb und eine Lastbank erweiter. Das Ziel von IREN2 war einerseits der Betrieb eines Microgrids als «Topologisches Kraftwerk», andererseits als Inselnetz.
Ein Meilenstein in der Forschung von intelligenten Stromnetzen
Der Inselnetzbetrieb rein aus erneuerbaren Quellen mit insgesamt 40 Haushalten wurde 2017 öffentlichkeitswirksam und live demonstriert. «Der Energiecampus Wildpoldsried dient uns seither für die Forschung und Entwicklung der verschiedenen Herausforderungen der Energiezukunft.», erläutert Michael Lucke, Geschäftsführer der Allgäuer Überlandwerk GmbH. «Neben der Weiterentwicklung der Stromnetze, testen wir an diesem Standort auch die Marktmechanismen der Zukunft. Wir glauben an einen direkten
Stromhandel zwischen privaten Erzeugern und Verbrauchern innerhalb einer lokal begrenzten Zone – der Grundgedanke unseres Projekts pebbles.»
Nachdem der Campus um weitere Anlagen ergänzt werden sollte, haben die Projektpartner, gemeinsam mit der Gemeinde Wildpoldsried, ein neues Grundstück für den Energiecampus gefunden. Im Herbst 2018 wurde der neue Standort gegenüber vom Sportplatz an der Salzstrasse mit allen bestehenden technischen Anlagen bezogen und mit dem Aufbau neuer Komponenten wie dem Campus-Speicher (Speicherkapazität: 75kWh), einer Blindleistungskompensationsanlage sowie einer flexibel einsetzbare Netzerweiterung mit einer Gesamtkabellänge von über einem Kilometer begonnen.
«Das Teilnetz der Gemeinde Wildpoldsried eignet sich dank der bestehenden Microgrids (lokal weitestgehend eigenständige Stromnetze) aus den Vorgängerprojekten optimal für das Forschungsprojekt pebbles. Mit Hilfe dieser Versuchsanlage sollen ausschlaggebende Daten gesammelt und Analysen durchgeführt werden, ohne das Netz und die Verbraucher zu beeinträchtigen.», erläutert Andreas Armstorfer, stellvertretender Projektleiter pebbles bei der Hochschule Kempten. «Nach Abschluss aller Arbeiten erwarten wir uns wertvolle Ergebnisse für unsere Forschungsarbeiten sowie ein verbessertes Präsentationsumfeld für Besucher und Interessierte.»
Die Wiedereröffnungsfeier wurde mit einem Impulsvortrag eröffnet. Anschliessend wurde eine Diskussionsrunde mit Energiepionieren und Entscheidungsträgern durchgeführt, bevor die Besucher bei einem Rundgang den Energiecampus kennenlernen durften. Dabei wurde neben Informationsständen ein interaktives Kleinstadtmodell bereitgestellt, um die «Smart Service Welt» mit Augmented Reality zu entdecken. Die Besucher konnten das Exponat mit Tablets erkunden, auf denen digitale Inhalte zu physischen Landschaften zusammengefügt werden.
Projekt-Informationen zu «pebbles»
Ziel des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Förderprogramms «Smart Service Welt II» geförderten Forschungsprojekts «pebbles» ist die Entwicklung einer lokalen Stromhandelsplattform und die Erprobung und Demonstration eines regionalen Energiemarkts unter Einsatz der Blockchain-Technologie, sowie Analysen zur Netzstabilisierung und zu optimierten Netzplanungs- und Netzausbaukonzepten. Die Entwicklung und Untersuchung von plattformbasierten Geschäftsmodellen samt komplementären Cloud-Services stehen dabei im Mittelpunkt.
Das Konsortium setzt sich aus fünf Partnern zusammen: Allgäuer Überlandwerk GmbH (AÜW), AllgäuNetz GmbH & Co.KG, Siemens AG, Hochschule Kempten (HKE) und Fraunhofer Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT). Die Partner haben bereits erfolgreich in den Vorgänger-Projekten miteinander gearbeitet und bringen ihre jeweiligen Kernkompetenzen ein.

www.pebbles-projekt.de

www.siemens.com/smart-infrastructure



Die Besucher konnten das Exponat mit Tablets erkunden, auf denen digitale Inhalte zu physischen Landschaften zusammengefügt werde