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Eine Erfolgsgeschichte

50 Jahre Polyscope bedeuten unter anderem etwa 5500 t Papier, über 1 Mrd. Seiten Papier – was aufeinandergestapelt einer Strecke von knapp 40 km entspricht, weit über 3 Mio. Leserdienstanfragen. Weitsicht, Aktualität, Innovation, Schnelligkeit, Gründlichkeit, Marktkenntnis und -nähe, Know-how- Transfer, Networking, Trendsetting, Globalität, Fachkompetenz – das sind Begriffe, für die Polyscope seit nunmehr 50 Jahren steht.

Wie fing alles an?

An sich haben wir die Gründung von Polyscope den Amerikanern und der Weitsicht des damaligen Verlegers und Herausgebers Max Binkert zu verdanken. Den USA haben wir nicht nur die Eurokrise nach dem Zusammenbruch der Grossbank Lehman Brothers im Jahre 2008 zuzuschreiben, sondern unzählige grossartige, wegweisende Erfindungen, Technologien und Produkte, wie die Erfindung des Halbleiters vor über 70 Jahren. Findige und innovative Schweizer Unternehmer erkannten in den Folgejahren ihre Chancen und gründeten Handelshäuser, die diese Chips im heimischen Markt verkauften. Spontan fallen mir Namen wie Seyffer, Fenner, Stolz, Moor, Industrade, Fabrimex, Omni Ray, Kurt Hirt ein, um nur einige zu nennen. Manche dieser renommierten Firmen sind noch am Markt aktiv, andere fusioniert, liquidiert oder einfach vom Markt verschwunden.

 

Ein Informationsmedium musste her

Doch so weit, so gut. Was fehlte war ein Informationsmedium, das die Interessenten und potenziellen Käufer über diese sagenhaften Halbleiter-Chips, die da zu uns rüberschwappten, informierte und lokale Einkaufsquellen aufzeigte. Vor allem – das war der springende Punkt – brauchte es ein einfaches, schnelles Tool, das Interessenten mit den Anbietern in Kontakt brachte. Es war die Geburtsstunde des Leserdienstes und somit unseres Polyscope. Max Binkert, der seiner Zeit in verlegerischen Dingen oft weit voraus war und ein gutes Gespür für Trends hatte, erwarb von einem englischen Verleger die Lizenz für ein Kennziffersystem – die Basis des Leserdienstes und zugleich Geburtsstunde von Polyscope. Ergänzend zum seit 1960 erscheinenden Jahrbuch «Automatik und Industrielle Elektronik» starteten wir mit der Polyscope-Ausgabe 1/69 rechtzeitig zur Inel 1969, die Anfang März in Basel stattfand.

 

Beim Namen bestand Verwechslungsgefahr

Bei der Namensfindung musste der Verleger auf die Verwechslungsgefahr mit dem deutschen Scope-Journal – ebenfalls eine Kennzifferfachzeitschrift – achten. Mit dem Titel «Polyscope» war diese Gefahr, diese Bedenken gebannt bzw. ausgeräumt und der Grundstein für die Erfolgsstory gelegt. Über den Vorteil für die Leser darf ich aus den Glückwünschen, die besagtes Scope-Journal unserem Polyscope mit auf den Weg gab, zitieren: «Auf jeden Fall gewinnt der Kreis der Werbungstreibenden, die das Kennziffersystem für sehr brauchbar halten, an Gewicht, weil es den Werbeerfolg transparenter macht und durch die Leserdienstkarten interessante Hinweise für systematisches Marketing gibt.»

 

5000 Abos – eine Sensation

Zur Inel 1969 verliessen 8000 Polyscope 1/69 die eigenen Druckmaschinen und gingen komplett nach Basel an die Messe. An unserem nur 2 × 3 Meter kleinen und schlecht platzierten Stand, geschah dann die Sensation. Über 5000 Bestellungen für ein damals noch kostenfreies Abonnement durften die PolyscopeMitarbeiter entgegennehmen. Das Marktecho war super. Polyscope generierte echtes Business in der Industrie. Es war das richtige Produkt zur rechten Zeit. Inserenten, Leser und Verleger waren glücklich, sehr glücklich.

 

Zum Inhalt der ersten Ausgabe

Neben einem Vorwort von Max Binkert und den Glückwünschen fanden sich darin exakt 169 Produktmeldungen und Inserate – und somit exakt 169 Leserdienstnummern. Keine Fachartikel, keine Branchen-News, keine Reportagen oder Interviews – einfach nur Produktmeldungen, sprich Neuheiten, und Inserate, und alle mit einer Leserdienstnummer versehen. Dass die Zahl 169 Symbolcharakter hat – 1/69 – sei nur am Rande erwähnt.

 

Ende der Achtzigerjahre war der Zenith erreicht

Die weitere Erfolgsgeschichte spiegelt sich in mehr Ausgaben pro Jahr wider. 1970 gab es sechs und damit zwei mehr als im Gründungsjahr. Von 1984 bis 1990 ergänzte Polyscope Plus das Hauptheft – es gab dann wöchentlich ein Polyscope – es war der Höhepunkt unseres Fachtitels, was die Kadenz, den Umfang und die Umsätze anging. 1991 erreichten 40 Polyscope-Ausgaben unsere Leser, seit 1996 reduzierten wir die Ausgaben schrittweise von 22 auf heute 18 Ausgaben. Die Reduktion der jährlichen Ausgaben war die Reaktion auf den Wandel in der Informationswelt und das Aufkommen des Internets.

 

Internet und Globalisierung zeigten Auswirkungen

Mit dem Aufkommen des Internets, den immer günstigeren Flügen zu den Herstellern, Lieferanten in der ganzen Welt sowie der Globalisierung der Distribution kamen auf die Verlage neue Herausforderungen zu. Wir nehmen dies an und Christoph Binkert, der Sohn des Verlegers, legte uns 1990 ein Konzept vor, das sich mit der Einführung eines elektronischen Services für unsere Kunden und Leser beschäftigte. Stichworte waren damals: Datenbank-Sharing, Synergieeffekte, Print/Online, Leserforum, Dialogsysteme, Generalanbieter für Informationen – Print und Online usw. Zur Erinnerung – das war vor etwa 30 Jahren. Leider war die Zeit für solche Dienste damals noch nicht reif – mangels verfügbarer Infrastruktur, Verständnis und Akzeptanz im Markt sowie Investitionsbereitschaft des Verlegers. Aber Sie sehen, wir waren konzeptionell «bei den Leuten».

 

Weitere Entwicklung des Leserdienstes

Es kamen in den Neunzigerjahren immer noch eifrig Leserdienstkarten, mit mehr oder weniger «Kreuzchen» darauf, doch der Trend weg von der Postkarte, hin zum Internet, zu elektronischen Infokanälen, war ungebrochen. Ich möchte noch erwähnen, dass wir mit dem Leserdienstsystem in all den Jahren weit über 3 Mio. Anfragen zu Produkten und Inseraten in Polyscope generieren konnten. Darauf sind wir stolz. Doch wir wären nicht Polyscope, wenn wir nicht auch in dieser Situation eine Idee aus dem Köcher zauberten und umsetzten. Das Losungswort hiess «moCode». Doch was steckte dahinter?

 

moCode – der Leserdienst via SMS

Um die Jahrtausendwende herum ist das Handy oder Smartphone zur Massenware geworden und eignete sich somit ideal für unser moCode-Projekt aus dem Jahr 2002. An sich eine triviale Idee, die der damaligen SMS-Generation entgegenkommen sollte. Parallel zur Leserdienstnummer erhielt jede Produktmeldung und jedes Inserat einen moCode – einen mehrstelligen Zahlencode. Bei Interesse an einem Produkt konnten einmal registrierte Leser eine SMS mit diesem Code an den moCode-Server senden. Dieser löste eine E-Mail an die betroffene Firma aus, die dann mit dem SMS-Einsender in Kontakt treten konnte. Leider entwickelte sich dieser SMS-basierte Leserdienst nicht sehr erfolgreich – wir erhielten etwa zehn Prozent mehr Anfragen. Das rettete den Leserdienst nicht. Trotzdem waren wir Pionier im elektronischen Leserdienst und unser IT-Partner nahm unsere Lösung mehrfach als Referenz – technisch gelungen und fehlerfrei, aber leider nicht akzeptiert im Markt. Die Gründe dafür? Obwohl die Kontaktaufnahme mit dem Informationslieferanten praktisch in «Echtzeit» erfolgte und eine SMS nur 15 Rappen kostete – die wahren Gründe sind uns nie ganz klar geworden. Gewiss spielten das Aufkommen von Suchmaschinen und der sukzessive Aufbau von Internetpräsenzen unserer Kunden wichtige Rollen in diesem Prozess.

 

Adresse wich dem Leserdienst

Dieses Resultat und der weitere stetige Rückgang der Leserdienstanfragen veranlassten uns, ganz auf diese Art der Kontaktaufnahme zu verzichten. Seit jener Zeit finden unsere Leser unter jeder Neuheit, unter jedem Fachartikel die komplette Adresse des Informationslieferanten. Wir sahen und sehen uns als kompetentes Bindeglied, als Drehscheibe zwischen Verkäufer und Käufer. Mit dem Ausbau der Website begleitend zum Magazin stellen wir ein attraktives Archiv der vergangenen Ausgaben seit 2012 zur Verfügung. Wir sahen und sehen uns als kompetentes Bindeglied, als Drehscheibe und Kontaktplattform zwischen Verkäufer und Käufer. Diese Mission erfüllen wir auch in Zukunft.

 

Die Zukunft wird digital

Heute nun nach 50 spannenden, erlebnis- und erfolgreichen Jahren, stehen wir mitten in der Digitalisierung – Begriffe wie E-Paper, Feeds, Social Media, AR (Augmented Realitiy), VR (Virtual Reality) werden unser Printprodukt erweitern. Schon heute können unsere Konsumenten, Leser und Inserenten, ihre Beiträge in Polyscope «zum Leben» erwecken. Wir können Filme hinterlegen, PDFs einbinden, Aktionen verknüpfen, Termine bekanntgeben – alles dynamisch und cloudbasiert. Mit der hauseigenen Polyscope-App bieten wir eine neue Dimension, die es erlaubt, mehr Inhalte in den Markt zu bringen, wovon Leser und Inserenten profitieren. Damit ist unser Magazin auch für die mobile, digitale Informations- versorgung bestens gerüstet. Denn eines ist mir klar: wenn Fachmagazine nicht mit der Zeit gehen, gehen sie mit der Zeit.