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Thomas Kaiser, Executive Vice President GPV DACH (Switzerland) AG: Ausgabe 10/2019, 20.06.2019

«Unser Business lebt von Partnerschaft»

Die 1961 gegründete dänische GPV gehört zu den Top 10 der europäischen EMS-Anbieter. Das seit 2016 zum Industriekonzern Schouw & Co. gehörende Unternehmen verfolgt einen Expansionskurs. Dies geschieht durch organisches Wachstum und Akquisitionen. Im Rahmen dieser Strategie übernahm der Konzern auf 1. Januar 2019 die Schweizer CCS-Gruppe. Thomas Kaiser erklärt im Gespräch, wohin die Reise geht.

Autor: Daniel Böhler

Bilder: Norbert Heim

Skizzieren Sie bitte kurz die Entstehung der CCS-Gruppe bis zum Verkauf an die GPV  International anfangs Jahr.
Thomas Kaiser: Angefangen hat es 1985 mit der Gründung der Formatest AG in Lyss. Bereits 1986 startete Formatest als Elsuma Ltd mit der Elektronikproduktion in Sri Lanka. 1992 begann die eigene Entwicklung und das Engineering in Lyss. Im Jahr 2000 kam ein Produktionsstandort in China dazu. Daneben wuchs der Produktionsstandort Lyss auch weiter durch die Übernahmen der Stelec AG (1998) und der Selectron Electronicservice AG (2002). In die 2003 gegründete CCS-Holding wurden die Formatest AG und Elsuma Ltd. eingebracht. 2011 übernahm die Private-Equity-Gesellschaft Patrimonium die CCS-Gruppe. Es folgten weitere Akquisitionen wie Adaxys, Gohlke Elektronik und der AKAtech-Gruppe, sowie die Gründung einer weiteren Fertigungsstätte in der Slowakei. Seit 2019 sind wir nun Teil der GPV International.

Warum kam es zum Verkauf an GPV?
Kaiser: Unsere Gruppe war die letzten Jahre zur Mehrheit im Besitz von Patrimonium. Mit dessen Unterstützung wurde eine sehr erfolgreiche sogenannte «Buy and Build»Strategie umgesetzt und damit gleichzeitig der Umsatz auf rund CHF 250 Mio. vervierfacht. Als schlagkräftiger und bestens aufgestellter Systemintegrator war es der richtige Moment und in der Natur des Geschäftsmodells eines Finanzinvestors, die nächste Etappe in der prosperierenden Entwicklung der CCS einzuläuten. Mit der Veräusserung an die GPV International A/S wurde der bestmögliche strategische Partner evaluiert und gefunden.

Was bedeutet die Fusion für den Markt?
Kaiser: Die GPV-Gruppe, als Nummer eins im dänischen Heimmarkt, ist hervorragend im skandinavischen und amerikanischen Raum verankert. Mit Produktionsstätten in Thailand, Dänemark und Mexiko ergänzen sie unseren bislang europäisch-asiatisch gelagerten Footprint ideal für eine weitere Expansion. Kunden mit Servicebedürfnissen in den USA können bestens aus Mexiko bedient werden und mit dem grossartig aufgestellten Standort in Thailand, welcher nebst Elektronikfertigung auch über eine sehr gute mechanische Kompetenz verfügt, ergänzen wir den Setup der ganzen Gruppe ideal. Interne Konkurrenz entsteht dadurch keine sondern eher das Gegenteil. Die zusätzlichen Möglichkeiten erhöhen die Flexibilität in der Fragestellung nach dem bestmöglichen Produktionsstandort. Das erweiterte Serviceangebot ergänzt beidseitig die Möglichkeit einer noch vertiefteren Zusammenarbeit mit den Kunden. Ebenso sind wir in der glücklichen Situation dass keinerlei Kundenüberlappungen bestehen, sich die beiden Unternehmungen also auch in dieser Beziehung bestens ergänzen. Insgesamt betrachtet können wir so von einem «Best Fit» sprechen. Selbstverständlich sind wir gefordert, im Bereich der Shared Services die Synergien optimal zu nutzen, diese werden derzeit nach einem «Best Practice»-Verfahren evaluiert und nachhaltig umgesetzt.

Welche Rolle spielten Sie in dem Prozess?
Kaiser: Ich fing 2005 bei der CCS-Holding als Marketing & Sales Director an, war dann von 2006 bis 2018 CEO der CCS-Gruppe – ich hielt dort eine Minderheitsbeteiligung –, und bin nun seit der Übernahme Executive Vice President der GPV DACH (Switzerland) AG. Meinen primären Arbeitsplatz habe ich am Schweizer Hauptsitz in Lachen, bin aber regelmässig in unseren globalen Werken sowie auch viel bei vielen unserer Kunden unterwegs   Ein sehr interessanter, intensiver und kreativer Job.

Stichwort Mendrisio – können Sie uns bitte einige typische Kennzahlen nennen?
Kaiser: Das Produktionszentrum in Mendrisio ist unser High-Tech-Standort in der Schweiz, Kernkompetenzen sind Speed-Prototyping und Serienfertigung. Es stehen dort 6500 m² Produktionsfläche zur Verfügung, rund 250 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die meisten davon sind Grenzgänger aus Italien, sind in Montage, Endmontage, Test, Wartung sowie im Reengineering tätig.

Welche speziellen Vorteile bietet der Standort Tessin?
Kaiser: Die Herausforderungen für den Standort Schweiz konnten wir dank einer aus serordentlich hohen Produktivität und Zuverlässigkeit bislang stets gut meistern. Die Meilensteine 2008/2009 (Finanzkrise), 2011 (Währungskrise Teil 1) und 2015 (Währungskrise Teil 2) haben gezeigt, dass der Schweizer Industriemarkt wie ein Stehaufmännchen funktioniert. Ein hoher Automatisierungsgrad, nicht nur im direkten, sondern auch im Kunden- und Lieferantenmanagement, erlaubt schlanke Prozessstrukturen und damit internationale Wettbewerbsfähigkeit. Der GPV Schweiz kommen der Standort Mendrisio und damit die Nähe zum italienischen Arbeitsmarkt zusätzlich zugute. Wir können so in der Schweiz, dank tieferen Löhnen im Tessin, nahezu europäische Bedingungen schaffen.

Wo sehen Sie derzeit die grösste Herausforderung?
Kaiser: Die grösste Herausforderung ist die Unsicherheit in den Märkten, ausgelöst durch das geopolitische Zerren an allen Ecken der Supply Chain und die damit verhaltene instabile Demand-Situation. Die nach wie vor nicht überstandene Allokation, Bauteileknappheit,  zwingt unsere Branche, den Puffer zur Absicherung der Liefertreue zu gewähren. Dies ist mit grossen Investitionen in Net Working Capital verbunden.

Wie sehen Ihre Erwartungen aus?
Kaiser: Wir verfolgen den Ansatz des schnellen «Merger in the Markets». Das heisst, wir möchten gerne die neu verfügbaren Services unseren Kunden anbieten und unsere neu gewonnene zusätzliche Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Die globale EMS-Industrie erwartet Wachstumsraten von etwa 7 %, was sich mit unseren internen Zielen deckt.

Infoservice
GPV DACH (Switzerland) AG
Alpenblickstrasse 26, 8853 Lachen
Tel. 055 451 79 20
thomas.kaiser@gpv-group.com, www.gpv-group.com

 



Thomas Kaiser: «Laut Reed Electronics Research sind wir der neuntgrösste EMS-Anbieter in Europa»


«Unser Produktionszentrum in Mendrisio ist unser High-Tech-Standort in der Schweiz»

Nachgefragt

Die erfolgreiche Geschichte der CCS hat uns überzeugt


Bo Lybæk, CEO GPV International A/S

Nennen Sie uns einige Kennzahlen zur GPV-Gruppe.
Mit rund 4000 Angestellten weltweit realisieren wir an den zwölf Produktionsstandorten weltweit über 400 Mio. Franken Umsatz. 140 000 Lieferungen gehen im Jahr an unsere Kunden in über 50 Ländern.

Wie bearbeiten Sie den Markt und in welchen Branchen sind Sie aktiv? Wir bearbeiten den Markt in den Kernregionen GPV Northern Europe & Americas sowie GPV DACH mit den Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz. All diese Länder sind naturgemäss sehr stark exportorien tiert. Cleantech, Industry und Instruments, Medtech sowie Transportation sind unsere Hauptbranchen.

Warum kauften Sie Ende 2018 die CCS und was erwarten Sie von diesem Invest?
Unsere Strategie 2022 sah eine Verdoppelung des Umsatzes sowie die Etablierung unserer Aktivitäten innerhalb der DACHRegion vor – Deutschland, Österreich, Schweiz. Mit der Akquisition der CCS-Gruppe können wir beide Ziele mit einer Transaktion erzielen. Die CCS-Gruppe mit ihrer erfolgreichen Geschichte hat uns sehr überzeugt und animiert, diesen grossen Schritt zu realisieren. Wir sind überzeugt, mit dem zusätzlichen Know-how, der zuverlässigen Service Excellence sowie der hohen Marktorientierung der Firma die ideale Ergänzung zum führenden High-Mix-Mid-Volume-orientierten EMS-Unternehmen gefunden zu haben. Wir freuen uns daher sehr auf die sicherlich spannende gemeinsame Zukunft.