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Stockwaage erleichtert die Analyse der Bienenvölker und deren Bewegungen: Ausgabe 10/2019, 20.06.2019

Digitalisierung erreicht die Bienenvölker

Moderne Technologie trifft auf traditionelles Imker-Handwerk. Zwei innovative Köpfe haben in der Schweiz eine Waage entwickelt, die mithilfe modernster Sensor-to-Cloud-Technologie Bewegungen in Bienenständen registriert und online zugänglich macht. Die unter dem Namen HiveWatch lancierte digitale Stockwaage erleichtert die Analyse der Bienenvölker und deren Bewegungen deutlich.

Bilder: Hivewatch

Durch Volkszählungen erhält der Staat ein Bild vom Stand der Bevölkerungsmenge und kann daraus Rückschlüsse über den Zustand der Gesellschaft ziehen. Genau gleich verhält es sich bei Bienenvölkern. Obwohl Bienenvölker (hives) zum Teil nur wenige Meter voneinander entfernt stehen, können grosse Unterschiede auftreten. Um diese Verschiedenartigkeit und das Befinden der Bienenvölker besser registrieren zu können, haben Silvio Ziegler und Jens Deicher 2015 HiveWatch gegründet. Iftest war früh mit dabei und ist für HiveWatch bis heute ein wichtiger Partner bei der Weiterentwicklung und Markteinführung des innovativen Produkts.

Am Anfang der Idee stand Silvio Zieglers Mutter
Eine Imkerin – die Mutter von Silvio Ziegler – suchte nach einer Möglichkeit, um ausgehende Bienenschwärme zu detektieren und Völkerverluste zu vermeiden. Angespornt durch dieses häufige Bedürfnis von Imkern entwickelten Silvio Ziegler und Jens Deicher einen Schwarmdetektor basierend auf einer Präzisionswaage. Für die beiden Erfinder war rasch klar, dass ein vollständiges Bild über den Zustand eines Bienenbestands nur durch kontinuierliches Wiegen erreicht werden kann.
Kombiniert mit intelligenten Algorithmen wird eine sofortige Datenauswertung möglich, was dem Imker die tägliche Arbeit massiv erleichtert. Die Verarbeitung dieser intelligenten Berechnungen wird von der integrierten Iftest-Elektronik übernommen. Sie ist dafür mitverantwortlich, dass die innovative Bienenstockwaage nicht nur durch Intelligenz, sondern auch finanziell überzeugt.

Bienenvölker immer und überall unter Kontrolle
Durch das smarte System lassen sich gleichzeitig Daten von bis zu acht Bienenvölkern erfassen. Über eine IoT-Sensor-to-Cloud-Lösung werden die von einem Sensor erfassten Gewichtsdaten in konfigurierbaren Abständen über das Mobilfunknetz an einen Webserver übertragen. Aussergewöhnliche Bewegungen werden von den Bienenstockwaagen erfasst und innerhalb weniger Sekunden an den Imker übermittelt.
Verlässt beispielsweise ein Bienenschwarm ein durch eine Waage überwachtes Volk, erhält der Bienenbesitzer umgehend eine Telefon- oder SMS-Warnung. Gleiches gilt bei einem Gewichtsverlust, der durch die Räuberei eines anderen Volkes verursacht wird. Der Imker kann die Gewichtsdaten der Bienenvölker von überall über die HiveWatch-App einsehen und bei Bedarf Konfigurationen beispielsweise an den Sendeintervallen oder Alarmen vornehmen. Professor Randolf Menzel, ein weltweit anerkannter Bienenforscher von der Freien Universität Berlin, zeigt sich von HiveWatch beeindruckt und sagt: «Wir haben gute Erfahrungen mit der Waage gemacht. Vor allem beeindruckt uns die Messstabilität und die geringe Temperaturabhängigkeit.»

Bienensterben besser verstehen
HiveWatch hat erkannt, dass das Internet of Things in den unterschiedlichsten Anwendungsbereichen einen Nutzen stiften kann. Dank der modernen Technologie können Daten über Bienen virtuell nutzbar gemacht und zu Forschungszwecken ausgewertet werden. Denn das intelligente System liefert Daten, die für weit mehr als die individuelle Nutzung verwendet werden können. Durch die Analyse der Werte können beispielsweise Schätzungen zur Bienenpopulation, dem Honigertrag pro Region oder über die Bestimmung des Futterverbrauchs beziehungsweise -vorrats gemacht werden. Weiter sind im Zeitverlauf Rückschlüsse zum Einfluss von Umweltgiften auf die Gesundheit der Bienenvölker möglich.
Dank Big Data können Bienen im grossen Kontext besser verstanden und Menschen nachhaltiger sensibilisiert werden. Damit
wird HiveWatch ein wichtiges Analyse-Tool im Umgang mit dem teilweise dramatischen Bienensterben der letzten Jahre und dem Einfluss von Klimawandel oder genetisch veränderter Pflanzen auf die wichtigen Bestäuber.

Mit Iftest-Elektronik in die Zukunft
Das Herzstück der digitalen Bienenstockwaage bildet die Hightech-Elektronik von Iftest. Das Wettinger EMS-Unternehmen war früh mit dabei und hat HiveWatch durch schnelle Lieferung von Prototypen unterstützt. In der Kooperation konnten Rückmeldungen unverzüglich in die weitere Optimierung einfliessen, was einen effizienten Markteintritt begünstigte. Dabei kam Iftest die komplette Integration von Entwicklung, schneller Prototypenfertigung, Industrialisierung und Serienfertigung unter einem Dach zugute.

Zuverlässiger Partner als Erfolgsgarant
Jens Deicher ist rundum zufrieden mit der Zusammenarbeit: «Wichtig für uns war, dass Iftest von Anfang an gut zugehört und sehr gut verstanden hat, was wir brauchen. Iftest handelt proaktiv, unkompliziert, vorausschauend und hat seine Versprechungen eingehalten. Aus meiner Berufserfahrung ist das nicht immer üblich in der EMS-Branche. Das hat uns überzeugt, dass Iftest der richtige Partner für uns ist, auf den wir zählen und mit dem wir weiter wachsen möchten.» Bis heute wurden weltweit rund 550 HiveWatch-Waagen verkauft, die meisten in der Schweiz. Doch auch in Neuseeland und Chile findet die Bienenstockwaage «Made in Switzerland» Absatz. HiveWatch will bald auch in anderen Ländern Fuss fassen und setzt dabei auch künftig auf die Qualität von Iftest.

Infoservice
Iftest AG
Schwimmbadstrasse 43, 5430 Wettingen
Tel. 056 437 37 37, Fax 056 437 37 50
verkauf@iftest.ch, www.iftest.ch

 



HiveWatch erfasst die Gewichtsdaten regelmässig und überträgt diese in konfigurierbaren Abständen über das Mobilfunknetz an den Webserver


HiveWatch erlaubt die Anbindung von bis zu acht Waagen an die Funkstation


Verlässt ein Bienenschwarm ein überwachtes Volk, erhält der Imker sofort eine Telefon­ oder SMS­Warnung


Gewichtsverlauf von Spitzenvölkern in sechs Regionen in der Schweiz