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Praktischer Umgang mit Normen in der Sicherheitstechnik für Maschinen – Teil 8: Ausgabe 18/2018, 08.11.2018

Auswahl einer Verriegelungseinrichtung nach EN ISO 14119

Teil 7 der Serie behandelte einige grundlegende Fragen bezüglich des Einsatzes einer Zuhaltung an beweglichen, trennenden Schutzeinrichtungen. An vollautomatischen Drehmaschinen sind typisch Schutztüren angebracht. Ist eine Verriegelung oder eine Zuhaltung aus sicherheitstechnischer Sicht notwendig? Falls in jedem Fall eine Zuhaltung nötig ist, hat die Norm auch dazu Hinweise.

Autor: Jens Rothenburg, Produktmanagement Euchner, Text und Bild

Die EN ISO 14119 sieht vier verschiedene Funktionsprinzipien für Zuhaltungen vor: ■■Federkraft betätigt, Energie EIN entsperrt: bei Euchner auch mechanische Zuhaltung genannt, ist ein Ruhestromprinzip in Bezug auf die Funktion der Zuhaltung. Bei Wegfall der Energie sorgt eine Feder für eine sichere Zuhaltung. Beim Einschalten der Energie öffnet die Zuhaltung. ■■Energie EIN betätigt, Federkraft entsperrt: Dieses Prinzip arbeitet genau umgekehrt und heisst bei Euchner elektrische Zuhaltung. Es ist ein Arbeitsstromprinzip. ■■Energie EIN betätigt, Energie EIN entsperrt: Dieses, auch bistabiles Prinzip genannt, ändert seine Stellung auch bei Ausfall der Energie nicht. Um es in den jeweils anderen Zustand umzusteuern, muss Energie angelegt werden. Da sich bei Wegfall der Energie die Stellung der Zuhaltung nicht ändert, gilt es als Ruhestromprinzip. ■■Energie EIN betätigt, Energie AUS entsperrt: Es entspricht einem Arbeitsstromprinzip, denn bei Ausfall der Energie ist die Zuhaltung geöffnet. Das Prinzip wird bei Elektrohaftmagneten verwendet.// Norm erlaubt nur sehr kleine Ausnahme/ Von den vier beschriebenen Zuhaltungsarten sind zwei Ruhestromprinzipien. Bei diesen beiden ist im Falle eines Stromausfalls die Zuhaltung geschlossen. Eine Zuhaltung für den Personenschutz muss eines dieser beiden Prinzipien nutzen./ Eine sehr kleine Ausnahme von dieser Auswahl lässt die Norm nur dann zu, wenn dargelegt werden kann, dass ein Ruhestromprinzip ein nicht geeignetes Verfahren ist. Der Nachweis hierfür dürfte sehr schwer zu führen sein. Häufig wird für den Zugang zur Maschine bei Stromausfall ein Arbeitsstromprinzip gewählt. Der Zugang ist aber auch mit einer Notentsperrung bei einem Ruhestromprinzip gewährleistet./ Für den Prozessschutz steht es dem Konstrukteur völlig frei, welche Zuhaltungsart gewählt wird, da dies keine Sicherheitsfunktion darstellt. Die einzige Forderung der Norm ist, dass bei Zuhaltungen für den Prozessschutz die Sicherheit der Verriegelungseinrichtung nicht beeinträchtigt werden darf.// Zuhaltekraft muss bekannt sein/ Für jede Zuhaltung muss nach Norm die Zuhaltekraft FZh angegeben werden. Für die diversen Türarten gibt es Sicherheitsschalter mit einer Zuhaltekraft von 500 bis über 5000 N. Welche Kraft an der jeweiligen Schutztür auftritt, kann nur der Konstrukteur einer Maschine bestimmen. Im Anhang I der Norm wird eine Tabelle mit statischen Kräften, die ein Mensch in verschiedenen Situationen aufbringen kann, gezeigt. Diese lässt sich sehr häufig durch Hebelwirkung deutlich erhöhen. Es gibt auch viele kleine Schutztüren, bei denen niedrigere Kräfte auftreten. Den tatsächlich auftretenden statischen Kräften muss eine Zuhaltung standhalten können./ In einem eigenen Abschnitt in der EN ISO 14119 werden dynamische Kräfte aufgeführt. Sie entstehen, wenn beim Schliessen der Schutztüre der Zuhaltebolzen automatisch einrastet. Beim Zurückprallen der Tür wird die gesamte Kraft von der Zuhaltung aufgenommen, was zu vermeiden ist. Eine einfache Lösung ist, wenn die Zuhaltung erst angesteuert wird, sobald die Schutztür geschlossen ist und steht.

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