Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
PDF download
Erste Absolventen im Studiengang Medizintechnik an der Hochschule Luzern: Ausgabe 14/2018, 12.09.2018

Theorie und Praxis Hand in Hand

Im Juli schlossen die ersten Medizintechnik-Studierenden der Hochschule Luzern ihr Studium ab. Die Hochschule hatte den Studiengang vor drei Jahren in enger Zusammenarbeit mit der Industrie aufgebaut, da die Medizintechnikindustrie an einem akuten Mangel an gut ausgebildeten Fachpersonen leidet.

Bilder: HSLU, Lukas Galantay

Robotergesteuerte Laser schneiden Knochen, Mikromotoren ersetzen Muskeln, implantierbare Pumpen befördern im Körper Blut, Mikroventile regeln den Augendruck: Was noch vor wenigen Jahren als Science-Fiction galt, ist heute Realität. In der Schweiz wird eine grosse Zahl solcher medizintechnischer Innovationen verwirklicht, welche neue und wichtige Felder für die medizinische Behandlung eröffnen.

Mit den Bedürfnissen der Ärzte und Patienten vertraut
Damit dieser Fortschritt in Medizin und Technik überhaupt möglich ist, braucht es gut ausgebildete Ingenieurinnen und Ingenieure der Medizintechnik, die mit den Bedürfnissen von Ärztinnen und Patienten gleichermassen vertraut sind. Sie arbeiten an der Schnittstelle von Medizin und Technik, denn ein erfolgreiches Medizinprodukt erfüllt die Erwartungen vieler verschiedener Anspruchsgruppen: der Patient erwartet vollständige Heilung ohne Risiko und Nebenwirkungen, die Chirurgin möchte Unterstützung bei Operationen, der Einkäufer im Spital berechnet die Wirtschaftlichkeit, der Gesetzgeber verlangt eine Zulassung des Produkts und die Finanzchefin des Unternehmens erwartet eine hohe Rentabilität. Der Studiengang Medizintechnik der Hochschule Luzern bereitet die Studierenden darauf vor, entsprechende Produkte mit aktuellen Technologien erfolgreich zu managen.

Das Medizintechnik-Studium ist modular aufgebaut und erlaubt den Studierenden, ihr Studium nach persönlichen Interessen und Vorkenntnissen zusammenzustellen. Neben der Wissensvermittlung spielt der Praxisbezug eine zentrale Rolle; die Studierenden sind vom ersten Semester an in interdisziplinäre Projekte mit Wirtschaftspartnern involviert.

Der Fokus liegt auf Ingenieurwissenschaften
Der Schwerpunkt der Ausbildung liegt auf den Ingenieurwissenschaften. Das Grundstudium beinhaltet eine grundlegende Ausbildung in den Bereichen Mathematik, Physik, Konstruktion, Elektronik und Programmieren, anschliessend folgt eine Vertiefung in branchenspezifischen technologischen Feldern. Das Kompetenzfeld Naturwissenschaften und Medizin vermittelt zunächst die Grundlagen der Chemie und Humanbiologie. Darauf bauen Themen wie Biomechanik, Biosignalverarbeitung oder Bioverträglichkeit auf, die an der Schnittstelle zwischen Medizin und Ingenieurwissenschaften liegen. Module wie Medizinische Sprache und Kultur & Ethik vermitteln zudem Inputs zur interkulturellen Kommunikation zwischen Mediziner und Ingenieurin und zu zentralen ethischen Grundsätzen.

Fazit
Die Ausbildung an der Hochschule Luzern soll den Studierenden nicht nur Fachwissen vermitteln, sondern sie auch befähigen, komplexe Herausforderungen kreativ und verantwortungsvoll zu lösen. Mit knapp 1900 Studierenden und 400 Dozierenden gehört unsere Hochschule zu den profiliertesten technischen Fachhochschulen der Schweiz.

Infoservice
Hochschule Luzern, Technik & Architektur
Technikumstrasse 21, 6048 Horw
Tel. 041 349 33 11, Fax 041 228 42 43
technik-architektur@hslu.ch, www.hslu.ch



Der Diplomand Alexander Vieira Pereira spricht an der Diplomfeier über den langen Weg vom Erstsemestrigen bis zum Absolventen und über die spannenden Herausforderungen im Studium


Im Modul «Anatomie & Physiologie» lernen die Studierenden die medizinischen und biologischen Grundlagen für medizintechnische Anwendungen

Nachgefragt: Es gibt Vollzeit- und Teilzeitstudium


Prof. Dr. Franziska Meinecke, Studiengang­leiterin Medizin­technik

Welche Voraussetzungen muss man für ein Medizintechnik-Studium mitbringen?
Optimalerweise eine abgeschlossene Berufsmatura und eine Berufsausbildung mit einem einschlägigen technischen Beruf, zum Beispiel Elektronikerin, Konstrukteur oder Informatikerin. Personen mit einer gymnasialen Matura oder einer Berufsmatura Gesundheit und ohne technischen Beruf können ebenfalls aufgenommen werden, benötigen aber ein Berufspraktikum. Dieses kann vor Studienbeginn in Vollzeit in einem technischen Unternehmen absolviert werden oder aber in Teilzeit während dem ersten und/oder zweiten Studiensemester in der Medizintechnikbranche.

Wie lange dauert das ­Studium?
Wenn es Vollzeit absolviert wird, dauert das Studium drei Jahre und schliesst mit einem Bachelor ab; eine konsekutive Master-Ausbildung ist möglich.

Ist ein Teilzeitstudium möglich?
Ja, das Teilzeitstudium dauert in der Regel zwischen vier und sechs Jahren, je nachdem, wieviel Module besucht werden. Studierende können nebst Teilzeitstudium zu 40 bis maximal 60 % beruflich tätig sein, idealerweise gleich im Themenumfeld des Studiums.

Was und wo arbeitet man als Medizintechnikingenieur?
Zum Beispiel im technischen Produktmanagement oder im Qualitätsengineering in der Medizintechnik. Die Ausbildung ist sehr interdisziplinär ausgerichtet. Dadurch sind die Absolventinnen und Absolventen imstande, die beiden Welten der Technik und der Medizin mit ihren unterschiedlichen Ansprüchen zu verstehen. Sie können wissenschaftliche, wirtschaftliche und ethische Ziele der medizinischen Anwender und die Interessen der Patientinnen und Patienten berücksichtigen. Mit einem konsekutiven Master eröffnet sich zudem die Möglichkeit, in den Entwicklungsbereich einzusteigen. Und vielleicht taucht ja schon während dem Studium eine zündende Geschäftsidee auf. In diesem Fall unterstützt die Hochschule Luzern mit dem Förderprogramm «Smart-up» Absolventinnen und Absolventen bei der Gründung ihres eigenen Start-ups.