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Praktischer Umgang mit Normen in der Sicherheitstechnik für Maschinen – Teil 4 : Ausgabe 10/2018, 13.06.2018

Methodik einer Risikoeinschätzung mit EN 62061

Im letzten Artikel in Polyscope 8/18 wurden die Risikobeurteilung mit der EN ISO 12100 und die Methodik zur Risikobeurteilung mit Hilfe des Anhang A der EN ISO 13849-1 vorgestellt. Im Folgenden wird nun die Methodik aus der EN 62061 betrachtet. Beide Verfahren erfüllen grundsätzlich die Vorgaben der EN ISO 12100 Sicherheit von Maschinen (A-Norm).

Autor: Jens Rothenburg, Text und Bilder

Die Methodik, die die EN 62061 zu Grunde legt, erscheint deutlich aufwendiger. Sie ist aber vielleicht einfacher zu nutzen, da die Entscheidung für eine Einstufung leichter fallen dürfte. Während die EN ISO 13849-1 immer nur zwei Möglichkeiten anbietet, verwendet die EN 62061 eine deutlich feinere Unterscheidung. Hierfür ist jedoch ein mehrstufiges Verfahren notwendig.

Im ersten Schritt wird die Schwere des möglichen Schadens beurteilt (Grafik 1).

Die Vierstufigkeit mit den beispielhaften Beschreibungen macht eine Bewertung einfacher. Wobei es immer noch schwer zu beurteilen ist, ob z.B. erste Hilfe ausreicht oder ein Arzt herbeigeholt werden muss.

Im folgenden zweiten Schritt wird dann die Häufigkeit und Dauer der Exposition beurteilt (Grafik 2).

Diese Beurteilung fällt sicherlich schon leichter. Auch hier ist es mit der EN ISO 13849-1 schwieriger, da nur 2 Stufen verwendet werden. Noch ein Hinweis zur Tabelle «Häufigkeit und Dauer der Exposition (F)». In der Norm hat diese Tabelle nur die Spalte mit einer Dauer grösser als 10 min. Die zweite Spalte ergibt sich aus dem zugehörigen Text. In diesem steht geschrieben, dass die Werte je um 1 reduziert werden können, es sei denn ein Bediener ist mehr als einmal pro Stunde der Gefährdung ausgesetzt.

Der dritte Schritt beurteilt die Wahrscheinlichkeit des Auftretens. Diese Beurteilung ist sicherlich sehr schwer. Wenn die sichere Seite erreicht werden soll, wird man hier immer «sehr hoch» annehmen und hat dann das Gleiche erreicht, wie mit der EN ISO 13849. Hier wird die Wahrscheinlichkeit des Auftretens immer mit 100 % angenommen und damit nicht beurteilt (Grafik 3).

Im nächsten Schritt muss nun die Wahrscheinlichkeit zur Vermeidung des Schadens beurteilt werden (Grafik 4).

Auch hier sieht man wieder die Grenzen einer solchen Beurteilung. Es werden keine Hilfestellungen gegeben. Nachdem alle Beurteilungen vorgenommen wurde, werden die einzelnen Punkte in eine Tabelle zusammenführt, wobei für jede einzelne Gefährdungsstelle eine separate Zeile ausgefüllt werden muss (Grafik 5).

Pro Gefahrenstelle werden in der Zeile die zuvor ermittelten Werte S, F, W und P eingetragen. Die Spalte K ergibt sich aus der Addition von F + W + P. Mit den beiden Werten S und K kann anschliessend aus der Tabelle unten ein SIL ermittelt werden (Grafik 6).

Der Eintrag (AM) bedeutet, dass andere Massnahmen, also keine technische Risikominderung, ausreichend sind. Dieses Verfahren ist, wie auch in der EN ISO 13849-1 nicht zwingend vorgegeben, sondern in einem informativen Anhang aufgeführt. Es lässt sich recht einfach auf die EN ISO 13849-1 anwenden. Anstelle des SIL muss ein PLr in die obige Tabelle eingetragen werden. Teil 5 der Serie zu den Maschinennormen behandelt das Thema «Risikoeinschätzung mit EN 23125». Er erscheint in der Polyscope-Ausgabe 11_12/18 vom 5. Juli 2018. 

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Grafik 1


Grafik 2


Grafik 3


Grafik 4


Grafik 5


Grafik 6

Autor


Jens Rothenburg arbeitet im Produktmanagement von Euchner und betreut Normengremien, Berufsgenossen­schaften sowie Verbände