Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
25.08.2017

Die Dürre des Aufschwungs: Das Investitionsloch und die Euroflut

Ein kleiner Aufschwung ist noch kein konjunktureller Boom. Die Frankeninsel ist weiterhin durch die Euroflut gefährdet. Der langjährige Margenkampf und das dadurch entstandene Investitionsloch können die KMU-MEM nicht binnen Monaten wettmachen. Für über 27% der befragten Unternehmen gibt es keinen Kredit mehr für notwendige Investitionen, obwohl über 70% der Befragten in die Industrie 4.0, Automation und Digitalisierung investieren möchten. Im Euroraum hingegen gibt es weder einen Kapital- noch einen Kreditbeschaffungsmangel. Das Investitionsloch muss jetzt geschlossen werden, sonst droht dem Schweizer Werkplatz im Falle einer neuen EURO Krise der Zapfenstreich.
Ein Aufatmen geht durch die Schweiz
Der Franken hat sich entspannt, der Schweizer Export steigt, der internationale Konjunkturaufschwung ist eingekehrt und die Erwartungen der Schweizer Industrie sind über alle Massen gut. „Der Schweizer Wirtschaft geht es wieder gut“, so die allgemeine Meinung.
Dabei werden allerdings einige Dinge nicht berücksichtigt: Erstens ist überhaupt nicht gesichert, ob der EURO-Höhenflug weitergeht (Gefahr eines neuen Frankenschocks) und zweitens sind die wirtschaftlichen Folgen der Frankenstärke noch längst nicht überwunden (Rekonvaleszenz der KMU). Drittens ist der aktuelle Höhenflug des Euro teilweise künstlich geschaffen worden. Laut den Daten der Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission wetten gerade Grossanleger auf eine anhaltende Eurostärke gegenüber dem Dollar. Aus den jüngsten Zahlen lässt sich ablesen, dass diese spekulativen Positionen auf einen stärkeren Euro seit mindestens Anfang 2015 nie mehr so hoch waren wie jetzt.
Die Frankeninsel und die Euroflut
Der Wert des Schweizer Frankens ist also erst seit kurzem etwas geringer und kann schnell wieder steigen. Sollte sich eine Krise nur andeuten, so stände den Schweizer Firmen das Wasser gleich wieder bis zum Hals. Internationale Entwicklungen bzw. die Bewertung des Euros stellen ein ständiges Risiko dar. Nichtsdestotrotz bleibt der Franken für Anleger aus aller Welt ein Fluchtort in Krisenzeiten. Das resultiert in einen konstanten Aufwertungsdruck. Zurzeit werden die negativen Auswirkungen durch den momentanen wirtschaftlichen Aufschwung kaschiert. Im Zusammenhang mit den niedrigen Zinsen und den an Wert gewinnenden Franken sollten diese jedoch jeden zur Sorge veranlassen. Möchte man in naher Zukunft kein «Massensterben» der Schweizer KMU-MEM, so ist – in Anbetracht des Risikos eines neuen Frankenschocks - die Zeit zum Handeln gekommen.
Aufbäumen versus Aufschwung
Schon seit der Finanzkrise 2008 und dann verstärkt im Jahr 2015 hatte die Industrie mit dem starken Franken zu kämpfen. Seitdem gibt es ein Margenproblem für exportorientierte KMU, da sie zum Weltmarktpreis verkaufen müssen. Für viele bedeutete dies: Der Maschinenpark wurde zwar nicht erneuert, die Kapitalreserven allerdings dennoch abgebaut und somit auch keine neuen Investitionsreserven aufgebaut. Das ist gerade für viele kleine Firmen kein gewollter Investitionsaufschub, sondern ein Investitionsloch und ein Riesenproblem. Auch der Negativzins schlägt bisher nicht positiv auf die Investitionen in der verarbeitenden Industrie durch. Es braucht einen langfristigen Aufschwung für die Rekonvaleszenz der KMU. Gerade mal sechs Monate Aufschwung, der jedoch längst nicht in allen Branchen und Unternehmensgrössen ankommt, reicht nicht. Jetzt zu preisen, der Schweizer Wirtschaft ginge es wieder gut, wäre illusionistisch und realitätsfern.
Das Investitionsloch und die Kreditdürre
Eine neue Umfrage der Swissmechanic zeigt, dass über 70% der Befragten in die Industrie 4.0 investieren möchten. Allerdings zeigt sich hinsichtlich der Finanzierung international ein gespaltenes Bild. Über die Hälfte der etablierten Schweizer KMU-MEM behilft sich ohne Bankkredit. Der Anteil der Unternehmen mit Bankfinanzierung ist in der Schweiz (35 %) dementsprechend deutlich tiefer als in den Nachbarländern: Italien (52%), Frankreich (49%), Österreich (48%), Deutschland (45 %). Ein erfolgreicher Kreditantrag braucht einen längerfristigen Aufschwung: Er verlangt nämlich langjährig gute Geschäftsberichte, moderne Infrastruktur, Sicherheiten und zukunftsorientierte Geschäftsmodelle.
Über 27% der Unternehmen kriegen deshalb keine Kredite mehr und über 26% möchten sich dazu nicht äussern. Die an dieser Umfrage ebenfalls beteiligten grösseren Unternehmen haben andere Geldbeschaffungsmöglichkeiten bzw. verlagern Teile der Produktion einfach ins Ausland.
Swissmechanic hat dieses Investitionsloch als ein wichtiges Problem der Schweizer KMU erkannt und wird es am 14.September auf dem Business Day mit über zwanzig Experten aus Politik, Technik, Forschung und Wirtschaft diskutieren. Unter anderem dabei sind: Gerhard Pfister, Ruedi Noser, Prof. Dr. Peter Jaeschke, Otto Hofstetter u.v.a.

www.swissmechanic.ch



Swissmechanic ist der führende Arbeitgeberverband der KMU in der MEM-Branche (Maschinen-, Elektro- und Metall-Branche). Die 1‘400 angeschlossenen Unternehmen beschäftigen rund 65‘000 Mitarbeitende und 6‘000 Lernende und generieren ein jährliches Umsatzvolumen von rund 15 Milliarden Schweizer Franken