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Räthische Bahn modernisiert Streckennetz mit integrierter Siemens-Lösung : Ausgabe 18/2017, 02.11.2017

Weichen richtig gestellt

Das Streckennetz der Rhätischen Bahn umfasst knapp 400 km und wurde bereits vor rund 30 Jahren mit Automatisierungs- und Energietechnik von Siemens ausgestattet. Um die Bedienung der Systeme komfortabler zu gestalten und mehr Daten zum Zustand des Netzes zu erhalten, wird nun die vorhandene Technik durch eine moderne und integrierte Siemens-Lösung ersetzt.

Bilder: Rhätische Bahn | Tibert Keller, Siemens

Das Gebirgsklima, in dem die Züge des schweizerischen Eisenbahnverkehrs- und -infra­strukturunternehmens Rhätische Bahn (RhB) fahren, ist rau und anspruchsvoll. Die hier eingesetzte Technik muss widerstandsfähig sein und zugleich zuverlässig arbeiten. Daher kommt auf dem fast 400 km langen Streckennetz der RhB schon seit mehr als 30 Jahren Automatisierungstechnik von Siemens zum Einsatz, mit der das Energienetz lückenlos überwacht wird.

Obwohl die Technik nach wie vor einwandfrei funktioniert, entschied man sich bei der RhB, die Systeme komfortabler und zeitgemässer zu gestalten. Zudem sollten detaillierte Daten zum Zustand des Netzes zugänglicher und die Fernwartung möglich werden. Als Pilotprojekt wurde im April 2016 der Bahnhof Landquart als erste von insgesamt 14 Stationen mit einer neuen, integrierten Lösung von Siemens ausgestattet.

Fehler lassen sich nun besser eingrenzen und lokalisieren

Die vorhandene Technologe auf Basis der Simatic S5 wurde auf Simatic S7315-F PN/DP migriert. Zudem ergänzen Siprotec Systeme die bisherige Schutztechnik. Ein im TIA (Totally Integrated Automation) Portal projektiertes 19"-Comfort-Panel-Simatic-HMI TP1900 mit Touchscreen ersetzt das Blindschaltbild. Mit der neuen Technik wurde die Bedienung des gesamten Systems deutlich verbessert.

«Wir haben unter anderem die Mosaiktafeln in den Unterstationen durch Panels mit Touchbedienung ersetzt. Das erleichtert die Arbeit unserer Bereitschaftsteams vor Ort deutlich», so Ursin Gabriel, Mitarbeiter im Engineering der Infrastrukturabteilung und einer der Projektverantwortlichen bei der RhB. Und Jakob Jegen, der seit mittlerweile 26 Jahren in der Wartung der Bahnstromversorgung tätig ist, ergänzt: «Das neue Panel ist viel übersichtlicher als die alten Bedientafeln. Noch dazu haben wir jetzt mehr und genauere Messwerte und Daten von der Strecke, sodass wir den Fehler besser eingrenzen und lokalisieren können.»

Gesamtsystem bietet verbesserte Leistung

Gerade in den Wintermonaten kann es durch Schneebruch oder starken Wind zu Schäden an den Leitungen kommen. Diese Störungen müssen schnell und zuverlässig an die Leitstelle gelangen, damit sich dann ein Mitarbeiter der Bereitschaft per Remoteverbindung über das Fernwartungssystem auf das Überwachungssystem aufschalten kann. «Nach der Modernisierung ist das gesamte System performanter geworden. So können wir die Störung schneller finden und an die Wartung melden», erklärt Jegen. «Vorher mussten wir sämtliche Meldungen und Störungen auf Papier protokollieren, das war zeitaufwendig. Jetzt werden alle Daten automatisch erfasst und protokolliert, was uns die Arbeit sehr erleichtert.» 

Infoservice

Siemens Schweiz AG
Freilagerstrasse 40, 8047 Zürich
Tel. 0848 822 844
industry.ch@siemens.com www.siemens.ch/industry



Die Rhätische Bahn (RhB) ist ein schweizerisches Eisenbahnverkehrsunternehmen mit Sitz in Chur und betreibt ein Streckennetz von rund 400 km Länge


Die neuen Panels erleichtern durch ihre Übersichtlichkeit die Arbeit der Bereitschafts­teams vor Ort spürbar


Im Rahmen der Modernisierung ersetzt ein Simatic Comfort Panel TP1500 das bisherige Blindschaltbild

Firmenprofil

Was 1889 mit der Eröffnung der Strecke von Landquart nach Klosters begann, ist heute ein 384 km langes Streckennetz mitten im schweizerischen Hochgebirge. Auf Initiative des Niederländers Willem-Jan Holsboer gründeten die Bahnpioniere anno dazumal die Schmalspurbahn Landquart-Davos AG. Bereits 1890 fuhren die ersten Züge nach Davos, später nach St. Moritz, Disentis und Scuol. Durch die Fusion mit der Arosa- und der Berninabahn vergrösserte sich das Streckennetz der Rhätischen Bahn. Die letzte Netzerweiterung erfolgte 1999 mit dem Vereinatunnel. Harmonisch in die wilde Natur eingebettet, tragen die Bahnlinien und Kunstbauten zum Charme Graubündens bei. Die Albula- und Berninalinie zwischen Thusis, St. Moritz und Tirano sind bahntechnische Meisterwerke. Seit 2008 gehören sie zum UNESCO-Welterbe. Mit den Zugpferden Bernina Express und Glacier Express verfügt die Rhätische Bahn über Marken von weltweiter Bekanntheit. Die grösste Alpenbahn der Schweiz bewegt heute mit rund 1500 Mitarbeitenden jährlich über 2 Mio. Pendler, 8 Mio. Touristen und über 500 000 t Güter. Der Umsatz liegt bei über 350 Mio. Franken.