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Stefan Taxer, Produktmanager Mobile Automation bei B&R : Ausgabe 01-02/2017, 26.01.2017

«Die mobile Automatisierung braucht homogene Automatisierungssysteme»

Mit dem rasant wachsenden Funktionsumfang von mobilen Maschinen steigen auch die Anforderungen an das Automatisierungssystem. Neben einer guten Hardware braucht es ein performantes Automatisierungssystem, das umfangreiche Basisfunktionen und moderne Werkzeuge out of the box anbietet. Stefan Taxer erklärt, wie Hersteller von mobilen Maschinen von 35 Jahren B&R-Erfahrung profitieren können.

Bilder: B&R

Wieso halten Sie bisherige Automatisierungskonzepte in der mobilen Automati­sierung für überholt?

Stefan Taxer: Die Zahl der Automatisierungskomponenten in mobilen Maschinen ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. In beinahe allen Maschinen sind mittlerweile mehrere ECUs, Displays, Sensoren und andere Elektronikkomponenten verbaut. Diese müssen miteinander koordiniert werden.

Auch in industriellen Anwendungen kommt immer mehr Elektronik zum Einsatz. Wo liegt der Unterschied?

Taxer: Im Gegensatz zur industriellen Automatisierung gab es bisher keinen Anbieter, der Herstellern mobiler Arbeitsmaschinen ein homogenes Automatisierungssystem anbietet. So gibt es zum Beispiel proprietäre Steuerungs-, Antriebs- und Visualisierungssysteme – alle von unterschiedlichen Herstellern und mit unterschiedlichen Tools für Engineering, Diagnose und Wartung. Solch heterogene Systeme zu entwickeln und aktuell zu halten, ist mit einem hohen Aufwand verbunden.

Was schlagen Sie vor, um dieser zunehmenden Komplexität entgegenzuwirken?

Taxer: Alle Komponenten der mobilen Automatisierung sollten mit einem einzigen Werkzeug projektiert werden – von der Maschinensteuerung bis hin zu den Sensoren. Mit Automation Studio bietet B&R ein etabliertes Tool, das genau für diesen Zweck geschaffen wurde. Und es kann sogar noch viel mehr: Diagnose, Simulation und Wartung werden über dieses eine Werkzeug abgewickelt. Dadurch sinkt nicht zuletzt der Schulungsaufwand des Personals.

Mit mapp Technology haben Sie ein Tool für die Erstellung von Applikationssoftware geschaffen, das in der industriellen Automatisierung sehr gut angenommen wurde. Profitieren davon auch Hersteller mobiler Arbeitsmaschinen?

Taxer: Absolut. Mit den vorprogrammierten, modularen mapp-Bausteinen wird die Entwicklungszeit von Applikationssoftware um durchschnittlich 67 % verkürzt – das gilt auch für mobile Arbeitsmaschinen. Neben allgemeinen mapp-Komponenten, wie zum Beispiel für das Alarm-Monitoring oder eine Benutzer-/Rollenverwaltung stehen auch spezifische Komponenten für mobile Arbeitsmaschinen zur Verfügung. Mit mapp J1939 lassen sich zum Beispiel beliebige Dieselmotoren ganz einfach in eine B&R-Applikation einbinden.

Software wird bei der Entwicklung immer wichtiger. Welchen Investitionsschutz bieten Sie Ihren Kunden bei der Softwareentwicklung?

Taxer: Die Applikationssoftware wird bei einer B&R-Lösung völlig hardwareunabhängig entwickelt. So kann heute projektierte Software problemlos auf Nachfolgegenerationen wiederverwendet werden. Dies bedeutet bei Maschinenlebenszeiten von bis zu 25 oder mehr Jahren den bestmöglichen Investitionsschutz für Kunden. Auch wenn in ein paar Jahren eine Steuerung durch einen leistungsfähigen Industrie-PC ersetzt werden soll, um rechenintensive Vision-Systeme zu integrieren, kann ohne Funktionseinschränkung bestehende Software weiterverwendet werden.

Was hat B&R auf der Hardwareseite für mobile Arbeitsmaschinen zu bieten?

Taxer: Wir haben das System X90 mobile entwickelt, das schock- und vibrationsfest ist, extremen Temperaturen und widrigen Umwelteinflüssen widersteht und umfassend zertifiziert ist – kurz gefasst: Es entspricht allen Anforderungen für den Einsatz auf oder an mobilen Arbeitsmaschinen.

Welche Produkte umfasst X90 mobile?

Taxer: In einem ersten Schritt haben wir ein modulares Steuerungs- und I/O-System vorgestellt. Durch Schnittstellen für CAN und das Echtzeitnetzwerk POWERLINK lassen sich alle nötigen weiteren Komponenten problemlos integrieren. Vorzertifizierte Safety-Funktionen und Funkanbindungen zu Cloud-Anwendungen lassen sich optional ergänzen. Weitere Optionen und Produkte – zum Beispiel Panels – entwickeln wir gerade.

B&R ist ein weltweit agierendes Unternehmen. Was bedeutet das für die Kunden in der mobilen Automatisierung?

Taxer: Mit mehr als 180 Büros bieten wir ein flächendeckendes Vertriebs- und Supportnetz mit geschulten Mitarbeitern. Unsere Kunden erhalten weltweit die gleiche hochqualifizierte Unterstützung für alle Anliegen. Das schliesst selbstverständlich die schnelle Lieferung von Produkten auf allen Kontinenten ein. 

Infoservice

B&R Industrie-Automation AG
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Stefan Taxer: «Die Applikationssoftware wird bei einer Lösung aus unserem Hause völlig hardwareunabhängig entwickelt»