Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Mario Klug, Product Sales Manager Displays, Storage & Embedded Boards bei Rutronik : Ausgabe 17/2014, 18.09.2014

«Zwei Welten erfolgreich verbinden»

In den letzten Jahren hat Rutronik ein Portfolio aufgebaut, mit dem sich die ganze Kette von Embedded- Systemen abbilden lässt. Wie der Distributor damit seine Kunden bei der Umsetzung von Industrie 4.0 und dem Internet of Things unterstützt, zeigt folgendes Interview mit Mario Klug, Product Sales Manager Displays, Storage & Embedded Boards bei Rutronik.

Autor: Daniel Böhler

Bilder: Shari Fotodesign, Shari Fotodesign

Was steckt hinter Rutronik Embedded?

Mario Klug: Mit unserem heutigen Produktportfolio bilden wir die komplette Kette von Embedded-Systemen ab. Das beginnt bei der Datenerfassung und -verarbeitung über deren Verteilung bis hin zur Visualisierung mit spezifischen Displaylösungen – und zwar durchgängig und vielfältig vom Chiplevel bis hin zur fertigen Lösung. Diese Komponenten aus unseren horizontalen Produktbereichen haben wir nun unter Rutronik Embedded zusammengefasst.

Um welche Produkte handelt es sich dabei im Einzelnen?

Klug: Das sind in allererster Linie Embedded Boards, aber auch IPCs, Box- und Panel-PCs, Speicher, Displays sowie Wireless-Module und Auto-ID-Komponenten. Bei Bedarf kommen spezifische Peripheriekomponenten und Kitlösungen aus Board, Speicher und Display dazu. Damit können unsere Kunden ihre Lösungen innerhalb des Industrie-4.0-Szenarios realisieren. Unsere Produktmanager, Spezial-FAEs und Business Development Manager unterstützen den Kunden selbstverständlich bei der Komponentenauswahl und dem Design-in.

Wie viele Mitarbeiter umfasst der neue, beratungsintensive Bereich heute?

Klug: Das sind aktuell insgesamt 44 Fachleute: 34 in unserer Abteilung «Embedded Boards, Storage und Displays», 9 Wireless-Experten und Matthias Frei, der unsere Schweizer Kunden unterstützt.

Wo sehen Sie Ihre Position in den derzeitigen Trendthemen Industrie 4.0 oder Internet of Things, IoT?

Klug: Hier muss man zwischen Industrie 4.0 und dem Internet of Things unterscheiden: Im Internet of Things erfassen diskrete Sensoren viele Daten in der ganzen Welt, die über Konnektivität nach innen getragen werden. Dies läuft über die Cloud bzw. das Internet. Bei der Industrie 4.0 ist es genau anders herum: Hier kommen wir von einem komplexen Mainboard- oder CPU-basierenden System über Konnektivität nach aussen. Dies passiert in der Regel nicht über das Internet, das höchstens als Backbone genutzt wird. Die Datensicherheit spielt hier natürlich eine viel, viel grössere Rolle, sodass die Kommunikation immer verschlüsselt über sichere Tunnelverbindungen und gesicherte Netzwerke läuft. Insofern nutzen beide Welten vorrangig andere Technologien, die Wireless-Technologien verbinden beide miteinander. Dadurch wachsen diese derzeit zusammen.

Rutronik befindet sich dabei in einer äus-serst komfortablen Situation, da wir die Komponenten, Technologien, das Know-how und das Verständnis für beide Welten haben und unsere Kunden aus beiden Marktsegmenten dabei unterstützen können, diese Durchgängigkeit zu erzielen. Die eine Seite, Industrie 4.0, adressieren wir mit Rutronik Embedded. Für die andere Seite, das Internet of Things, haben wir unser Angebot nun analog zu Rutronik Smart zusammengefasst.

Was genau fällt hier hinein?

Klug: Das sind ausgewählte Sensoren, Wire-less-Komponenten, Mikrocontroller, Power-management und Sicherheitslösungen speziell für Geräte innerhalb des Internet of Things, IoT. Das sind meist kleinere, häufig portable Geräte wie Wearable Electronics, Fitnessanwendungen, Beacon- und Indoor-Navigationslösungen, Heimautomatisierung, weisse Ware, e-Health-Lösungen oder auch Überwachungs- und Alarmsysteme.

Internet of Things versus Datensicherheit – wie lösen Sie diesen Spagat?

Klug: Sicherheit ist aktuell eines der wichtigsten Themen, wenn nicht das wichtigste Thema überhaupt. Auch hier herrschen in der Industrie andere Verhältnisse als im Consumermarkt. Die Bussysteme lassen sich viel schwerer angreifen als das Internet. Hier muss sich jedes Unternehmen in seinem System die notwendige Sicherheit einbauen, um einen Durchgriff von aussen zu verhindern. Künftig muss dafür jede Einzelkomponente für sich sicher sein. Entsprechende Hardware-lösungen bieten wir an, ebenso die Middleware unserer Partner. Für die Sicherheit auf Anwendungsebene trägt jeder Kunde selbst Rechnung. Dort wollen wir gar nicht in Wettbewerb zu unseren Kunden treten.

Welche Vorteile haben Ihre Kunden durch den neuen Bereich Rutronik Embedded?

Klug: Wie vorhin schon erwähnt, erhalten sie die spezifischen Komponenten in allen Bereichen und auf allen Ebenen, von der Chipebene bis zur Komplettlösung aus einer Hand. Und da wir die Komponenten schon seit Jahren im Programm haben, haben wir uns auch ein entsprechendes, langjähriges Know-how aufgebaut, von dem unsere Kunden jetzt profitieren – und zwar übergreifend über die gesamte Lösung. Aber für jedes Segment haben wir auch die Spezialisten mit tiefem Fachwissen.

Wie finden Sie Ihre Kunden und in welchen Branchen sitzen diese?

Klug: Das ist der Job unserer Business Development Manager. Ausgangsbasis ist hierzu eine umfangreiche Applikations- und Marktanalyse. Hohes Kundenpotenzial schöpfen wir aus unseren Fachseminaren und den Fachmessen. Typische Zielkunden haben immer mit Steuerung, Regelung oder Fernüberwachung zu tun, vorwiegend kommen sie aus den Märkten Industrieautomation, Medizintechnik, Transportation und POI/POS.

Können Sie uns ein realisiertes IoT-Projekt nennen – eventuell sogar den Kunden?

Klug: Ja, wir haben mit dem 2011 gegründeten Unternehmen cosinuss° einen Sensor entwickelt, der im Ohr den Puls misst und so den Brustgurt ersetzt. In der Medizintechnik wird bekanntermassen auch die Pulsoximetrie am Finger oder am Ohr durchgeführt. Die Daten werden drahtlos an alle gängigen Smartphones, Sport- uhren oder andere Gadgets übertragen, die mit Bluetooth 4.0 oder ANT+ ausgestattet sind. So können Sportler mit der entsprechenden App ihre Leistungswerte überwachen. Ein zweites Modell mit Lautsprechern wird folgen, ausserdem eines, das neben dem Puls die Körperkerntemperatur misst.

Wie sehen die Umsatzerwartungen aus – heute und in zwei, drei Jahren?

Klug: Der Embedded-Markt ist aktuell der am stärksten wachsende Markt mit einer Steigerung von 10 bis 15 Prozent pro Jahr. Das hat sich auch bereits in den letzten Jahren gezeigt und wird sicher auch in den kommenden zwei, drei Jahren in ähnlicher Grös-senordnung anhalten. Auch der Markt für die Wearables ist sehr interessant, hier wird ebenfalls ein starkes Wachstum prognostiziert. Davon werden wir sicher profitieren.

Bearbeitet Ihr Team über die Grenze hinweg auch den sehr innovativen Schweizer Markt?

Klug: Selbstverständlich! Wie anfangs erwähnt, haben wir in der Schweiz einen Product Sales Manager, Matthias Frei, für unsere Schweizer Kunden vor Ort. Er wird unterstützt von Johann Papp, dedizierter FAE für die Schweiz. Auch wenn das Volumen natürlich kleiner ist als in Deutschland, ist der Markt hier extrem innovativ und damit sehr wichtig für Rutronik.

Der Embedded-Markt wächst mit 10 bis 15 Prozent im Jahr

Kunden profitieren vom langjährigen Know-how

Infoservice


Rutronik Elektronische Bauelemente AG Hölzliwisenstrasse 5, 8604 Volketswil
Tel. 044 947 37 37, Fax 044 947 37 47
rutronik_ch@rutronik.com, www.rutronik.com

Mario Klug: «Der Markt für Wearables ist sehr interessant; hier sehen wir ein starkes Wachstum»


«Dank unserem langjährigen Know-how profitieren unsere Kunden für ihre ganze Lösung»


«Auch wenn das Volumen in der Schweiz kleiner ist als in Deutschland, ist der Markt hier extrem innovativ und damit sehr wichtig für Rutronik»